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Der Ton

Der Ton ist ein Grundstoff. Der primäre Grundstoff. Die drei anderen, Wasser, Luft und Feuer,  machen es möglich, den Ton auf unzählige Art und Weise zu verwenden. Von Ideal-Statuetten, Amuletten und getöpfertem Hausrat bis hin zu den hochtechnologischen Komponenten der heutigen Zeit.

Der Ton ist sehr geduldig. Was nicht gleich zu Anfang glückt, kann umgearbeitet werden. Er lässt die ersten unbeholfenen Versuche an der Drehscheibe etwas schönes und Einzigartiges hervorzubringen zu und bietet sich als Träger der Hoffnungen und Träume.

Aber die vielen Stunden an der Drehscheibe, bevor man sich für Vase oder Aschenbecher entscheidet, erfordern auch Geduld. Gleich so die Technik, die es braucht, um den Gegenstand, der einem im Kopfe schwebt, herzustellen.

Mit Ton zu arbeiten ist in erster Linie ein Handwerk.

In diese Welt stolperte ich hinein, als ich zum ersten Mal die Werkstatt meines Vaters betreten konnte. Das war ein schöner Ort zum Tummeln,  und so ist es bis heute geblieben.  Die einzigen Herausforderungen, die ich brauche, sind: Das grundlegende Handwerk, die technisch-wissenschaftliche  Glasur-Chemie  und das Geistige sowie das Ästhetische, dem ich mit Hilfe des Tones Ausdruck und Form verleihen möchte.

In der Werkstatt lernt man nie aus; man entwickelt sich ständig weiter. Jedes Resultat öffnet neue Wege und Neuerlernte Dinge setzen weitere Möglichkeiten frei.

Zu lernen und sich zu entwickeln - menschlich und geistig - durch Formen und Linien, ist für mich der Sinn des Lebens. Ich habe auch in anderen Bereichen gearbeitet, doch nichts hat so viel von mir gefordert und gleichzeitig so viel gegeben.

Selbst wenn ich als Greis von Gicht und Alter wieder ins Stolpern gerate, so wird die Werkstatt immer noch der Ort sein, den ich aufsuche.