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Das Vergeistigte

Als Kind machte ich viele Bogen, Pfeile und Speere. Wenn ich Muster in das Holz schnitzte und es farbig bemalte, hatte ich das Gefühl, dass dies der „Waffe“ Kraft und eine Seele gab. Ein spitzer Stock aus Hasel war eben wie jeder andere Stock. Aber ihm Muster und Farben zu geben formte seinen Sinn und Zweck und verlieh ihm die Stärke diesen Zweck zu erfüllen. Das war ein instinktives, archaisches Ritual. Ein Zauber dessen Wurzeln in eine Zeit zurückführen, in der sich das menschliche Bewusstsein auszuformen begann.

Von jeher haben Menschen Höhlenwände bemalt, Figuren aus Ton gefertigt, Waffen verziert und ihr Zuhause und sich selbst geschmückt. Wir wissen heute immer noch nicht genau warum. Doch für mich öffnen sich dadurch Türen in eine andere Wirklichkeit; der vergeistigten Wirklichkeit; der die Kraft innewohnt.

Die damaligen Menschen bewegten sich zwischen diesen zwei Welten. Sie haben beide Welten genauso intensiv erforscht, wie wir heute das Weltall und die Gentechnologie. Viele von den Dingen, die sie sahen, kennen wir heute noch von den Schamanen (Geisterbeschwörern) der Urvölker überall auf der Erde.

Auch ich möchte gerne diese nahe Wirklichkeit, die ein so integrierter Teil des Weltbildes war, erleben. Ich behaupte, dass dieses Bildnis richtiger, wahrer und ganzer ist, als das Bildnis, das Religion und Wissenschaft später erschaffen haben.

Das, was ich mit meiner Keramik zu aktivieren versuche, sind die Schichten im Tiefen unseres Gedächtnisses, die sich an die Verbundenheit mit der Natur und Kraft noch erinnern können.

Im Alltag leben wir in einer Welt aus Weckern, Arbeit, Rechnungen, Schweinebraten und Tagesschau. Das ist die Welt, die wir geschaffen haben.

Um mit der Keramik arbeiten zu können, muss ich in die Welt eintauchen, die uns geschaffen hat.